
| Eine kleiner "Krimi", geschrieben von Stefan Leder im Alter von 11 Jahren nach einem Traum. Die Zeichnungen stammen von Timm Schröder. |
1. Folge: Der Raub
2. Folge: Die Erfahrung
3. Folge: Die Frau
4. Folge: Das Fest
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Der Roboter geht eine weite Straße, die nie aufhört. Ich, Andreas und Heiko, wir sind in einer alten Scheune und langweilen uns. Dann bauen wir uns aus Brettern und Nägeln ein Sprungbrett, das etwa 2 m unter'm Dach angebracht ist. Unten auf dem kalten Steinboden schieben wir viel Stroh unter das Brett. Aufgeregt springen wir nacheinander ins trockene Heu und überlegen, was wir sonst noch tun könnten. Inzwischen geht der Roboter bis zum Ende der Straße und biegt in die "Villagasse" ein.
Als es uns dann zu langweilig wird, ziehen wir uns an und verlassen unserern Bauernhof. Auf dem Weg durch die Stadt hole ich mein Taschenradio raus und wir hören unseren Kreissender. Eine männliche Stimme ertönt: "So, meine lieben Hörer, an diesem wunderschönen Morgen habe ich die Ehre, Sie mit einem Interview des reichsten Mannes der Welt zu unterhalten, nämlich mit Charles Michel; 'Ja, also ich besitze 4 Autos, davon 1 Rolls Royce, 2 Mercedes ...' "
Charles Michel war natürlich nicht der reichste Mann der Welt, sondern nur ein reicherer Mitbürger unserer Stadt. Unsere Stadt ist nämlich so klein, daß jeder jeden kennt. Außerdem ist die nächste Polizeidienststelle erst im nächsten dorf und das ist 60 km weit entfernt von uns.
" 'und dann besitze ich noch bla bla bla ...' " auf einmal hören wir einen Schuß aus dem Radio - oder war es gar kein Schuß? Auf jeden Fall hören wir aus dem Radio: " 'ah, hilfe, hilfee! Hil, hi...' " - Totenstille. Wir wußten, wo der Millionär wohnt und rasten in die Villagasse, wo vorhin der Roboter marschiert ist.

In der Zeit war nämlich der Roboter in das Haus von Herrn Michel eingedrungen, ging auf den Millionär zu, packe ihn auf die Schultern und preßte ihm eine Beteubungsspritze ein.
Ein paar Minuten später standen wir dann vor der Villa und wir berieten uns, was zu tun war. "Stefan, du gehst hinter das Haus, Heiko, du gehst durch den Seitenkeller und ich gehe direkt vornherein.", sagte Andreas.
Der Roboter war nun sicher schon samt dem Geld, das er dem Panzerschrank entnommen hatte, über alle Berge, aber wo sind die Hinweise auf das geschehen? Nur im Haus! Also hätte es auch keinen Zweck gehabt, die Stadt abzusuchen. Und mit unserer Entscheidung lagen wir goldrichtig ...
Heiko stieg an einer Seite des Kellers hinab und kam in den düsteren Ölkeller. Mit seiner Minitaschenlampe am Schlüsselbund leuchtete er einen schmalen Gang entlang und stieg durch verschiedene Räume und stolperte plötzlich ...
... und stieß gegen den Roboter!
Andreas verständigte in der Zeit, als er den Millionär am Boden liegen sah, die Polizei und Krankenwagen, d. h. er wollte es tun und suchte verzweifelt nach einem Telefon. "Verdammt noch mal, die Krösus sparen auch immer an der falschen Stelle! ... Ah, da!" Der glückliche hatte es dann auch schon gefunden! Er verfolgte dann die Schnur, bis er in eine dunklen Ecke der Villa angelangte. Er achtete zuerst nur auf das Telefon und wählte die Nummer der Polizei, aber als er schon den Hörer abnahm, hörte er keinen Ton; die Telefonschnur war gerissen, absichtlich! Er sah sich weiter in dieser Ecke um und entdeckte einen Spiegel an der Wand, allerdings keinen gewöhnlichen Spiegel, sondern eine Spiegeltür! Hinter dem Spiegel verbar sich ein Gang, stockduster.
Andreas holte sein Funkgerät hervor und rief mich an.
Ich habe in der ganzen Zeit auch nicht wenig erlebt: Als ich so meine 5. Runde ums Haus schlich, entdeckte ich auf der Hinterseite des Hauses plötzlich, wie Rauchschwaden die Wand hochkletterten. Ich analysiere die Herkunft des Rauches und bemerke, daß unter dem Rauch an der Wand ein ganz winziger Druckknopf angebracht ist und drücke natürlich drauf, auf einmal geht eine Klappe über dem Knopf auf, aus der es so stark dampft. Mühsam kann ich entziffern: "Kühler ein" Wiederum drücke ich auch hier auf den Knopf und auf einmal verschwindet der Rauch. Jetzt erkenne ich ein Schaltpult mit einer Reihe von Knöpfen. Auf dem einen steht zum Beispiel: "Roboter her" Selbst hier hätte ich draufgedrückt, wenn mich Andreas nicht gerade angepeilt hätte.
Er schildert mir sein Erlebnis und beauftragt mich damit, die Polizei anzurufen, "er hätte wichteres zu tun", und noch bevor ich ihm erst einmal mein Erlebnis erzählen konnte, schaltete er ab. Natürlich war die Polizei für mich nebensächlich, und ich widmete mich wieder mehr meinen kleinen Knöpfchen. Es hätte nicht mehr viel gefehlt, dann wär meine Neugier befriedigt worden, da ruft mich auch schon Heiko an. "Du ich muß dir etwas 'ganz wichtiges' erzählen!" Und auch Heikos Geschichte mußte ich mir anhören - er war gerade so schön mittendrin (ich mittendrin im Schlafen), da hörte ich, wie es aus seinem Funkgerät quietschte.
Im Keller wurde es hell, und ein Mann kam aus einer Tür, die man fast nicht erkennen konnte, weil sie in einer Mauer eingebaut ist. "Du, den Mann kenn' ich!", sagte Heiko, "Das ist der Butler von Herrn Michel!" Ich wußte zwar immer noch nicht, was dort unten passiert ist, aber ich hoffte, ich würde es bald von Heiko erfahren, und ich war weiter ganz Ohr. Leise flüsterten wir uns zu, so konnte der Butler nichts erfahren. Der Butler fummelte am Roboter herum, und Heiko erkannte, daß das, wogegen er gestoßen war, kein Mensch und keine Statue ist, sondern ein Roboter!
Andreas, der jetzt die Tür soweit aufgesperrt hatte, daß er selbst hindurchschlüpfen konnte, schlich sich leise den Gang hinunter, der ebenfalls in den Keller führte, in dem Heiko auch war. Da Andreas Heiko sah und umgekehrt, konnten sie sich lautlos verständigen durch unsere selbsterfundene Zeichensprache. Der Butler stand zwischen Heiko und Andreas, so konnten diese ihn gut von allen Seiten beobachten.
Als der Butler wieder sich in seinen Geheimkeller zurückzog, beauftragt ich Heiko, zu mir zu kommen und sich den Weg gut zu notieren, und Andreas schaut sich die Tür an und markiert sie.
Ich bespreche mit Heiko etwas und schicke dann ihn (!) zur nächsten Telefonzelle, um die Polizei zu rufen.
Nun endlich war es soweit: Ich drückte auf den "Roboter-her"-Knopf und dann passierte es! Andreas wird ganz blaß im Gesicht, denn der Roboter bewegt sich auf ihn zu. Aufgeregt tappert Andreas drei Schritte zurück, aber der Roboter folgt ihm. Er rast durch den Spiegel und aus dem Haus bis zu mir und fällt dann ohnmächtig bei mir um. Der Roboter bleibt dann bei mir stehen, und auf einmal sehe ich seine Pranken mit den Spritzen unter den Händen. Hiermit hat er den Millionär wohl betäubt. Ich war auch ganz erschrocken, als ich ihn jetzt zum ersten mal sah und versuchte vorsichtig, Andreas wieder zu Bewußtsein zu bringen, vergeblich! Ich legte ihn ins kühle Gras und notierte mir ein paar Sachen in mein Notizbuch, während ich auf Heiko wartete, der durch die ganze Stadt rast, um eine Telefonzelle zu finden.
Heiko hatte nun inzwischen eine Telefonzelle gefunden und nahm den Hörer ab, und da fällt ihm ein, daß er ja gar kein Geld bei sich hatte. Er bettelte also ein paar Leute an um 20 Pfennig, und schließlich hatte er nach drei Minuten "schon" das Geld beisammen; 20 Pfennig-Stücke, die er nur noch in 2 Groschen einzutauschen brauchte. Auch hierfür fand er ein passendes Opfer und rannte sofort wieder zur Telefonzelle zurück, als diese bereits wieder besetzt war. Er wartete also noch einmal 10 Minuten und rief dann die Polizei des "Nachbarortes" an.
Ich konnte es leider nicht mehr unterdrücken, noch einmal zum Pult zu gehen und mir weitere Knöpfe vorzunehmen. - Da entdeckte ich auch den "Roboter-weg"-Knopf. Beim Notieren fällt mir dann ein, daß wir ja noch den Weg des Spiegelganges erforschen mußten, bevor die Polizei einstürmt, denn wir wollten ein paar Geheimnisse nicht der Polizei mitteilen.
Kurz darauf kommt auch Heiko "schon" angetanzt und erinnert mich daran, daß die Polizei gleich kommen werde. Um so wichtiger für mich war es, daß der Roboter wieder weg war, bevor die Polizei kam. Während Heiko sich um Andreas kümmerte, drückte ich auf die 2. Taste und schlich mich hinter dem Roboter her und schrieb mir den Weg zum Spiegel auf, den der Roboter bevorzugte (weil er ja gar keinen anderen kannte).
Im Keller angelangt, höre ich schon im fernen das "Tatütataa" der Polizei und ging durch den Ölkeller mit Hilfe von Heikos Plan wieder ans Tageslicht. Als die Polizei uns dort hinten entdeckt hatte, behaupteten wir, wir würden nur hier sein, um zu sehen, was jetzt passiert, nachdem Heiko sie alarmierte, was die Polente glatt schluckte.
Als die Polizei uns anbot, eine Belohnung zu erhalten, falls wir mit als Zeuge zurückfahren würden, lehnten wir selbstverständlich ab, denn dieser Fall sollte unser Fall sein. Spät am Nachmittag dann gingen wir zurück in unsere Scheune und überlegten uns gemeinsam, wie wir weiter handeln sollten, und außerdem tranken wir natürlich und aßen uns satt nach diesem Erlebnis.
Bevor wir uns dann schlafen legten, ergänzten wir dann unsere Notizbücher und träumten schon alle, was am nächsten Morgen geschehen würde.
Am nächsten Morgen entdecke ich, daß mein Transistorradio nicht mehr da ist. Ich suche überall im Schuppen nach, kann es aber nicht finden. Als Heiko und Andreas aufwachen, beschließen wir, den Weg von gestern bis zur Villa abzusuchen, bis wir es finden.
Wir ziehen uns an und beginnen zu suchen. Wenig weit von unserem Bauernhof entfernt finden wir es schon in einem Graben neben der Straße. Es muß mir gestern aus der Tasche gefallen sein, und deshalb schalte ich es ein, um zu überprüfen, ob es noch funktioniert. Dieselbe Stimme wie am Tag zuvor ertönte wieder und sagte, daß der Butler gestern von der Polizei unverdächtig nicht verhaftet wurde und daß der Herr Michel im Krankenhaus B ist.
Das bringt uns natürlich sofort auf die Idee, zum Herrn Michel zu gehen und ihn zu fragen, was er über den Vorfall von gestern weiß. Gesagt, getan. Gleich darauf eilen wir zum Krankenhaus B und wollen in den Fahrstuhl steigen, als uns der Portier am Arm festhält. Auf die Frage, wer wir sind, geben wir ihm eine unserer brühmten nicht-schlauer-werd-Antworten und hören dann, wie es aus einer Ecke zu Lachen beginnt. Der Millionär hat sich alles mit angehört und bittet den Portier, uns hinein zu lassen. Wütend waltet der Portier seines Amtes, denn er war ja Diener des Herrn Michel. Oben angelangt stellen wir dem Millionär ein paar Fragen, aber er konnte sich nur daran erinnern, daß er während des Erzählens am Telefon mit dem Sender nur einen Schatten an der Wand gesehen hat und dann kurz darauf einen Schmerz gefühlt und dann ohnmächtig geworden ist. Uns klingt das nicht so gut, und deshalb fragen wir ihn noch einmal, ob es sich an nicht mehr erinnern könnte.
Es schein zuerst vergeblich, doch dann fiel ihm etwas ein, er wußte allerdings nicht, ob es Wahrheit oder Phantasie ist. Er sagte, er hätte kurz bevor die Polizisten kamen gesehen, wie sein Butler sich mit einer Frau unterhielt, die dann später wieder verschwand. Andreas interessiert diese Gespräche nicht, aber Heiko meint: "Ja, ich habe gestern auch gesehen, wie ein Auto, ein schwarzer Porsche, an mir vorbei sauste, und in dem Wagen saß eine Frau. Ich habe sonst nicht weiter auf den Wagen geachtet, aber er fuhr in Richtung Villagasse!" "Einen schwarzen Porsche? Hier fährt gerade einer lang!", sagte Andreas, der gerade ein bißchen die Autos beobachtete. Heiko raste sofort zum Fenster "Ja, das ist er, jetzt erinnere ich mich!" Ohne Verzögerung rannten wir aus dem Krankenhaus und wollten ein Taxi als Verfolgungsmittel benutzen, als uns wieder der Portier den Weg versperrte.
"Hier, das ist für
euch, weil ihr den Herrn Michel so köstlich unterhalten
habt!" Er drückte uns einen 20-DM-Schein in die Hand,
Zufall! Denn ein Taxi kostet Geld, welch viel Geld. Da Heiko sich
am besten von uns Wagen erinnern konnte, gaben wir an den ihm das
Geld und sagten ihm: mach ja Bilder! Heiko ging also allein auf
schöne Verfolgungsjagd mit dem Chauffeur. Schon dieser so nah an
den schwarzen bald war Porsche herangekommen, daß Heiko die
"Fahndungsfotos" knipsen konnte.besten
Andreas und ich gingen indessen langsam und gemütlich in Richtung Villa, als uns auf halber Strecke ein Junge begegnete. "He, da, wartet mal auf mich! Ich bin Holger, Amateurdetektiv, und ich habe euch gestern beobachtet, wie ihr euch für den alten Herrn eingesetzt habt, ich fand das einfach große Klasse! Außerdem könnte ich euch helfen! Wir wär's, wenn wir die Sache gemeinsam klären?" Wir wußten: er hat gar keine Ahnung. Aber da konnten wir nur froh sein! Er hätte uns unseren ganzen Plan versauen können!
Also gingen wir gemeinsam mit dem
kleinen Jungen zur Villa und arbeiteten uns einen Plan aus.
"Holger, du bittest den Butler um ein Interview, hier hast
du einen Notizblock, und wir sehen uns mal in der Wohnung um.
Okay?" Also klingelten wir, und als der Butler uns
aufmachte, hätte uns Holger alles verpatzt, wenn ich ihm nicht
ins Wort gefallen wäre: "Wir sind Freunde ihres Herrn und
hätten gerne gewußt, was geschehen ist!" - "Ja, kommt
nur rein!", sagte er vorsichtig.
Während Holger den Butler beschäftigte, schlichen wir, anderas und ich, uns in den Rest der Wohnung. Andreas und ich verloren uns nach einer gewissen Zeit aus den Augen, denn er ist durch den Hinterausgang wieder herausgekrochen und versuchte, sich einen Dietrich zu besorgen, während ich eine viel schwierigere Aufgabe hatte. Ich untersuchte die Spiegeltür noch einmal ganz gründlich, und als ich dann die Treppe hinuntergegangen bin, erkenne ich, daß der Roboter weg war.
Ich suchte ihn im ganzen Keller, aber ich konnte ihn nicht finden. Als ich die Suche aufgab, widmete ich mich der Tür in der Wand. Ich suchte nach meinem Notizbuch und sehe, daß ich es neben der Spiegeltür verloren hatte, ich ging hin, hob es auf, wer stand vor mir? Der Butler!
Ja - richtig! Ich merkte gar nicht, wie die Zeit verging! Holger mußte dem Butler ja schon Löcher in den Bauch gefragt haben, kein Wunder also ... oder doch?
Vor Schreck ließ ich jedenfalls den Notizblock wieder fallen und rannte so schnell ich konnte in den Heizkeller. Leider oder zum Glück stolperte der Butler über sein eigenes Werkzeug und fiel auf den Boden. Ich hatte gerade so viel Zeit, um abzuhauen, ehe der Butler wieder zu sich kam.
Heiko und Andreas, der inzwischen zuhause angekommen war, entwickelten und vergrößerten Fotos in unserem selbsteingerichteten Fotolabor. Ich rannte mit Holger, der schon fast eine halbe Stunde auf mich wartete, in die Stadt in den Park, so daß ich in Ruhe unsere Arbeit betrachten konnte. Ich erzählte ihm natürlich nichts, sondern bedankte mich für das Interview und ging dann nach hause.
Inzwischen waren meine Technik-Experten längst mit ihrer Arbeit fertig, und Andreas und Heiko sprangen wieder im Heu herum. Da kamen sie wieder auf eine Idee: Sie wollten das Sprungbrett noch höher anbringen als jetzt. Und eifrig hämmerten sie in der Scheune, während ich erst einmal verschnaufen mußte.
Später dann war die Mordshöhe erreicht, und ebenso eifrig sprangen sie in das Heu, bis auf einmal ... auf einmal hatte Andreas einen nicht ganz so weichen Sprung; er plumpste nämlich durch das Stroh in einen Geheimgang, der mit jedem Sprung ein wenig größer wurde, bis seine Tür, die aus morschem Holz bestand, total eingerissen war.
Andreas und Heiko gehen den Gang entlang und kommen schließlich an eine zweite Tür, die mit einem Riegel verschlossen war. Dabei fiel ihnen auf, daß der Gang voller Staub und Spinnennetzen bestand. Hier mußte Jahrzehnte lang kein Mensch mehr gewesen sein. Mit viel Kraft und Mühe öffnen sie den Riegel von der Tür.
Auf meinem Weg nach hause fällt mir dann ein, daß ich mein Notizbuch immer noch nicht mitgenommen habe, und ich mußte also wohl oder übel zurückgehen. Ich mußte mich beeilen, denn es war schon spät. Leise schlich ich mich durch den Seitenkeller bis zur Treppe, die an der Spiegeltür endete. Lautlos hob ich auch diesmal wieder das Notizbuch auf, drehte mich um, wer stand vor mir? Der Roboter.
Andreas und Heiko, die den Riegel beiseite schoben, öffneten nun die Tür. Sie landeten in einem Haus in der Nachbarschaft von uns, allerdings hatten sie das Haus nie von innen sehen können und waren selbstverständlich neugierig. Der Keller, in dem sie gelandet sind, war nicht sehr groß. Und auch das Erdgeschoß, zu dem eine Leiter führte, mußte eine Fläche von nur 3mal 3 Metern gehabt haben. Schnell gingen sie in das Erdgeschoß die Leiter herauf. Aber auch hier führte eine Leiter in einen höheren Abschnitt, der allerdings verriegelt war. "Kommt nur herein" rief eine Frau, die die Treppe zum 1. Stock gerade herunter kam. "Ich soll euch sicher eine Geschichte erzählen, stimmt's?" Als sie sich umdrehte erkannten Heiko und Andreas sie. Es war die Frau mit dem Porsche, aber sie hatte ein dunkle, für eine Frau geradezu ungewöhnlich tiefe Stimme. "Na, was ist nun?" fragte sie meine Armen wieder. Andreas kam in Verlegenheit und sagte einfach nur "Ja, bitte!"
Villagasse. In panischer Angst rannte ich Weg, als ich sah, wie der Roboter seine Arme mit den mörderischen Spritzen anwinkelte. Ich lief um mein Leben, aber stolperte dabei über des Butlers blödes Werkzeug und fiel hin. Der Roboter stand vor mir, riesengroß war er aus der Froschperspektive, und er hob mich auf und preßte mir eine Betäubungsspritze in die Arme. Ich sank zu Boden und ruhte selig.
Heiko schaltete seinen Minikassettenrekorder ein und nahm die Geschichte auf. Sie hieß "Zwerg Nase", aber nicht deswegen vergeudete Heiko teures Band, sondern ihn interessierte die enorm tiefe "Frauenstimme".
Etwa eine halbe Stunde später wachte ich dann auf. Zum Glück allerdings nicht in einem dunklen Raum, sondern immer noch dort, wo mich die Bestie betäubt hatte: im Ölkeller. Ich wußte zuerst gar nicht mehr, was los war, und es dauerte einige Zeit, bis ich merkte, daß es schon sehr spät abends war. Ich zog mich erst einmal richtig an, steckte das Notizbuch sicher verwahrt in meine Tasche und schlich mich dann wieder aus dem Haus.
Heiko und Andreas waren auch schon wieder zu Hause und erzählten mir dann die ganze Geschichte. Als sie fertig waren, sagte ich "Ha! Das ist doch gar nichts! Soll ich euch mal erzählen, was mir passiert ist?" und ich legte los. Sie wollten es nicht glauben, bis ich ihnen die Spritze beschrieb, die der Roboter hemmungslos in meinen Körper preßte. Das war als das Ende des 2. Tages, aber der 3. Tag unserer Ferien wird noch spannender, lest nur weiter!
Am nächsten Morgen bekamen wir einen Brief vom Herrn Michel. Er schrieb, daß er anhand von Spionen, die für ihn einmal das Haus untersuchten, erfahren hätte, daß der Butler einen Raum hat, der ganz viele Computersysteme enthält. Einen Roboter erwähnte der Millionär in seinem Brief allerdings nicht. Also war es unsinnig, noch einmal nach weiteren Erinnerungen des Herrn Michel zu forschen.
Nach dem Frühstück holen wir das nach, was wir gestern vergaßen; Besprechungen über den weiteren Verlauf von heute. Da fällt mir Holger ein. Sofort ziehen wir los, um von Holger das Interview abzuholen und ihm für sein brilliantes Ablenkmanöver zu danken. Danach beraten wir weiter. Andreas wollte jetzt mal im Hause herumspionieren, Heiko wollte den Millionär auf den neusten Stand bringen, und ich kümmerte mich mal um die Dame mit der ultratiefen Stimme.
Andreas suchte zuerst einmal den Roboter, konnte ihn aber nicht finden. Stattdessen widmete er sich dann der Wandtür, bekommt sie allerdings nicht auf. Dann überlegte er ganz scharf und kam dann darauf, daß der Butler außer dem geheimen Eingang doch noch einen normalen Eingang haben muß.
Er ging also leise durch den Spiegelgang, guckte nach links und rechts, und dann ging er ab durch die Mitte. Der Butler schien nicht da zu sein, und so glaubte er, freie Bahn zu haben. In Wirklichkeit aber hatte der listige Butler eine Falle aufgestellt und wartete nur noch, bis sich ein Opfer gefunden hatte. In diesem Fall sollte es wohl Andreas heißen, oder?
Heiko war gerade mit dem Klöngequatsche mit dem Herrn Michel fertig. Er eilte zu Andreas, um ihm zu helfen. Heiko hatte kein gutes Gefühl, und da hatte er auch richtig gefühlt, denn Andreas sitzt schon in der Falle: Gerade, als Andreas nämlich einen Schritt der Treppe betreten hatte, krachte ein Holzgitter hinter ihm herunter.
Zum Glück war das Gitter nicht mit einer Alarmanlage gekoppelt, wer weiß, was der Butler dann mit dem Armen Andreas gemacht hätte! Dann kommt auch schon Heiko angeschlichen. Andreas bringt Heiko auf den neusten Stand der Dinge, und dieser sägt ihn mit seinem Taschenmesser frei. "Schnell, wir müssen uns beeilen!", sagte Andreas zu Heiko, der an der Haustür schmiere stand, weil sie ja glaubten, der Butler sei außer Haus. Heiko ging also in den Unterschlupf des Butlers. Totenstille und stockduster. Dann zog er wieder seine Minitaschenlampe hervor und leuchtete die Wohnung an. Aber es war immer noch zu dunkel, um etwas zu erkennen. Deshalb suchte er nach einem Lichtschalter. "In diesem Zimmer kann ich keinen finden, mal sehen, wohin diese Tür führt". Ohne es zu ahnen, betrat er das Zimmer des Butlers, der darin schlief. Er knipste das Licht wieder aus und rannte schnell, aber leise aus dem Zimmer. Dann ging er weiter durch das dunkle Zimmer. Auf einmal entdeckte er, wie ein Lichtstrahl aus dem Spalt einer Tür kam. Heiko eilte in jenes Zimmer und sah mit eigenen Augen das Computersystem des Roboters!
In diesem Moment hörte er eine Stimme hinter ihm. Es war die Stimme des Butlers: "Ha, du Schnüffler, das wär wohl dein Ende. In jetzt noch genau 32 Sekunden liegt du nieder!" In dem Moment ließ der Butler seinen Schlüssel auf seine Füße fallen, und sein eigenes Jammern alarmierte Heiko, der daraufhin sofort heruntergewetzt kam. Der Butler konnte ja nicht ahnen, daß Andreas noch Verstärkung mitgebracht hatte und war sich deshalb seiner Sache sicher, daß Andreas in jetzt nur noch 27 Sekunden eingeschläfert werden sollte. 22-21-20 Heiko schleicht sich durch die Räume. 15-14-13 Jetzt sieht er eindlich die Tür. Es wird knapp 7-6-5 Er reißt die Tür auf und gibt dem Butler einen kräftigen Tritt. 5-4-3 Der Roboter kommt herein, und ihm fällt der Butler in die Arme. 3-2-1-0 Der Roboter spritzt dem Butler die Spritze in die Arme. War das knapp! Wenn Heiko nicht rechtzeitig gekommen wäre, wer weiß, ob Andreas die Dosis überlebt hätte.
Doch zum Glück hatte der Schubs in den Roboter einen kleinen Kurzschluß verursacht, und deshalb gab der Roboter dem Butler statt Andreas die Spritze. Andreas und Heiko befestigen nun noch an dem Roboter einen Sender, der eine Ultraschallfrequenz ununterbrochen abgab. Mit einem anderen Gerät, das die Frequenz empfangen konnte, wird man später wissen, wo sich der Roboter befindet. Heiko und Andreas riefen dann die Polizei und den Krankenwagen an und warteten. Nach einer Weile ging Andreas dann noch einmal in den Keller, um nach dem Butler zu sehen. Er war immer noch bewußtlos. Da Andreas' erster Blick nur dem Butler galt, bemerkte er erst gar nicht, daß der Roboter verschwunden war, und er war schon auf der Treppe, als er es erst begriffen hatte. Sofort rannte er zurück. Tatsächlich, spurlos verschwunden, das heißt ganz spurlos nicht; Andreas rannte sofort hoch zu Heiko, der immer noch auf die Polizei wartete, nahm ihm den "Radarschirm" aus der Hand und rannte in der Richtung des Signals.
Und nun bin ich an der Reihe, das Vorgefallene zu erzählen. Ich ging noch mal in das Haus der gewissen Frau, allerdings nicht inkognito, sondern über den normalen Eingang. Also, ich schlich mich herein und stieg in die 1. Etage, aber ich kam mir irgendwie ein bißchen überflüssig vor; keine Frau bemerkte meine Ankunft. Komisch, Andreas erzählte mir doch von einer ganz lieben Frau. Dann stieg ich auch die 2. Leiter herauf und kam an die verschlossene Tür. Vorsichtig versuchte ich sie aufzukriegen, aber ich schaffte es nicht.
Andreas: Der arme Andreas wurde über Mauern und Gräben gewetzt. Der Empfängerteil für das am Roboter befindliche Signal zeigte ja leider nur den direkten Weg. Es dauerte fast eine Viertelstunde, bis der Kontakt unterbrochen wurde oder er keine Lust mehr hatte, genau wollte er es uns nicht verraten.
Aus versehen stieß ich gegen eine Vase, die krachend zu Boden fiel. Dann schwenkte eine Kamera durch den Raum, wahrscheinlich war ich jetzt schon auf irgendeinem Monitor erkannt und festgehalten worden, aber ich gab die Hoffnung nicht auf und kämpfte weiter. "... und ich dachte schon, ich hätte ein Geräusch gehört", drang eine Stimme aus dem Geschoß, das für mich unzugänglich war. Jetzt erkannte ich die Stimme wieder, und ich war noch aufgeregter. Plötzlich schlug unten die Tür auf. Mit voller Wucht knallte sie gegen die Wand, und das Schloß zerschellte. Vorsichtig kroch ich auf allen Vieren zur Leiter, die in das Erdgeschoß führte und sah ... den Roboter! Langsam, aber sicher stieg er die Leitern auf, und mir wird ganz unwohl. Mit einem Koffer in der Hand stand er mir nun gegenüber in einem Abstand von nur einem Meter. Ich wußte: Jede falsche Handlung könnte das Ende für mich sein, doch da kam mir der Zufall entgegen: Bei dem Roboter platzten gerade zwei Dioden oder ähnliches, und er fiel hin, dann lag er da. Ich hätte ihn lieber noch länger betrachtet, aber dann hörte ich, wie die Frau ihre Computersysteme bediente, und dann richtete sich der Roboter wieder auf. Sollte eine Frau wirklich solch hohe Wunder in die Welt setzen können? Es blieb keine Zeit mehr zum Überlegen, und ich rannte in höchster Eile die Sprossen hinunter, doch der Roboter hatte es auf mich abgesehen. Ich kletterte in den Keller und zog in Blitzeseile die Leiter weg, so daß der Roboter in tausend Stücke zerbrach, als er auf den Fußboden fiel. Schnell flüchtete ich durch den Geheimgang in unsere alte Scheune zurück und wischte mir langsam den Schweiß von der Stirn.
Andreas, der die Hoffnung aufgab, dem Roboter weiter nachzurennen, ging wieder zurück zu Heiko, der inzwischen mit der Polizei sprach. Dann gingen sie wieter gemeinsam nach Hause. Unterwegs schaltete er nur noch einmal aus Jux das Empfängerteil ein, und da sah er, wie das Signal aus Richtung Bauernhof kam. Sofort rannten sie in unsere Scheune und waren ganz erstaunt, als ich unversehrt im Stroh saß. "Na, wo wart ihr denn?", war mein erster Kommentar, aber es war nicht zugleich der letzte, denn den ganzen Abend hatten wir genug Zeit, um auszupacken. Wer anfing, weiß ich nicht mehr, jedenfalls war es eine ganz spannende Unterredung.
Am nächsten Morgen konnte man in vielen Zeitungen lesen: "Treuer Butler wird zu mörderischem Dieb" oder ähnliches. Uns tat das natürlich leid für den armen Herrn Michel, deshalb zogen wir uns an und gingen zum Krankenhaus B, um dem Millionär ein Teil davon zu berichten. Natürlich nur so viel, wie auch den Zeitungen zu entnehmen war.
Indessen überlegten sich Heiko und
Andreas, wie sie nun endgültig herausfinden könnten, ob die
Frau eine Frau ist oder ein Mann. Nach dem Krankenhausbesuch
wetzten sie los und untersuchten die Außenseite der Wohnungstür
der "Frau" nach Fingerabdrücken. Und siehe da: Recht
hatten sie mit ihrem Verdacht. Es war also ein als Frau getarnter
Mann. Nachdenkend sprangen wir weiter im Stroh rum. Nach einer
Weile fragte mich Heiko: "Du, sag mal, hat Dich gestern die
Frau, äh der Mann gesehen?" - "Nein, wieso?" -
"Dann könntest Du doch möglicherweise eine Leiter an das
Haus des Mannes stellen und nachsehen, ob er wirklich eine
Computerstation hat, wie auch der Butler!"
Das war eine tolle Idee. Sofort stellte ich mir eine lange Leiter an das oberste Fenster und sah auf einmal auch, daß das ein Mann war. Leise machte ich ein paar Fotos und duckte mich wieder. Daraufhin klingelten Heiko und Andreas unten an der Tür und lockten den Mann aus seinem Zimmer. Ich konnten nun ungesehen in das Zimmer einsteigen und weitere Fotos von der tollen Technik machen. Dabei stieß ich aus Versehen auf einen Knopf, und schon blinkte auf einem Monitor eine Formel auf, dann der Aufbau des Roboters und schließlich die momentane Ortsbestimmung des Roboters. Interessiert an der Technik nehme ich mir heimlich das Ding, den Computer, mit und steige wieder auf die Leiter. Heiko und Andreas hatten wohl kein Glück, als sie den Herrn, der sich das schon wieder als Frau verkleidet hatte, darum baten, ihnen noch eine Geschichte vorzulesen.
Denn wenig später kam der Mann wieder zurück, aber merkte es zuerst gar nicht, daß ihm ein Gerät fehlte, denn es war ja eines unter vielen. Als ich mich aber duckte, um nicht gesehen zu werden, verliert die Leiter das Gleichgewicht, und ich kippe mit dem Computer rückwärts in einen alten Heuwagen auf unserem Hof, zum Glück. In unserer Fernsehecke schloß ich dann das Gerät mal an meinem Fernseher an. Da las ich in leuchtenden Buchstaben: IHRE BEFEHLE, BITTE.
Ich muß wohl genau das richtige Gerät mitgenommen haben: Das, mitdem der Mann den überfall auf den Millionär gemacht hat, auch die anderen Attacken könnte man an diesem Gerät ausgeübt haben, denn man brauchte nur seinen Wunsch dem Computer mitzuteilen, schon spritzte der Roboter die gewünschte Menge Schlafpulver dem gewünschten Opfer in den Leib. Gemeingefährliches Ding - aber trotzdem wollte ich nicht, daß es weggeschmissen wird, denn wir konnten es bestimmt noch einmal brauchen. Dann aber wurde es höchste Zeit, daß wir die Polizei informierten.
Doch damit war die Geschichte, das
Abenteuer, noch nicht zu Ende. Denn auf ein mal kamen vier
schnarrende Roboter auf uns zu. Wenn die Polizei nicht bald kam,
waren wir verloren, doch in letzter Sekunde, der Abstand war
gering, kam mir noch eine mögliche Lösung: Ich rannte sofort in
unseren Computerraum, wo ich inzwischen das Gerät eingebaut
hatte, und versuchte, die Roboter umzuprogrammieren. Viel Zeit
blieb mir ja nicht mehr, denn sie hatten es auf mich abgesehen,
und so gab ich den Befehl "stehen bleiben" ein. Und
dann endlich blieben die Ratterkästen stehen und explodierten.
Der Mann hatte alles ganz genau geplant, denn nun hatten wir ja
keine Beweise für den Mordversuch gerade eben. Doch der Computer
war ja noch da, daran hatte er wohl nicht gedacht.
Darauf kam dann auch die Polizei. Wir erzählten alles, und der Mann wurde überführt, denn Beweise lagen nun genug gegen ihn vor.
Der Herr Bürgermeister und der Herr Michel waren stolz auf uns, und sie veranstalteten eine Riesenparty, nur für uns. Holger kam auch. Und die ganz besondere Überraschung: Wir drei bekamen alle einen Orden, und die Stadt beschenkte uns damit, indem sie über die "Falltür", in die der Geheimgang führt, ein Trampolin gespannt haben.
Das war als das Ende des Abenteuers.
Stefan Leder, 20.11.1982